Die Raumerweiterungshalle (REH) war ein in der DDR entwickeltes, transportables Leichtbausystem. Im Volksmund wurde sie wegen ihrer besonderen Konstruktion oft „Ziehharmonika-Halle“ oder „Ziehharmonika-Kaufhalle“ genannt.

Technisch bestand die Halle aus mehreren hintereinander angeordneten Stahlrahmen-Elementen, die wie ein Teleskop ineinandergeschoben werden konnten. Für den Transport war die Halle dadurch sehr kurz und kompakt. Am Aufstellungsort wurden die einzelnen Elemente auf Rollen bzw. Führungen auseinandergezogen und anschließend miteinander verbunden und abgedichtet. Bei größeren Ausführungen konnten bis zu acht Raumelemente hintereinander liegen. Die äußere Hülle bestand überwiegend aus Aluminiumblech, teilweise mit leichten Dämm- und Innenverkleidungen. Charakteristisch waren die leicht geneigten Seitenwände und die abgerundeten Übergänge zwischen Wand und Dach.

Der große Vorteil war, dass eine REH schnell aufgestellt, wieder abgebaut und an einen anderen Ort gebracht werden konnte. Sie benötigte keine massive Bauweise wie ein herkömmliches Geschäftshaus und eignete sich deshalb besonders für neue Wohngebiete, Ferienanlagen, Campingplätze oder kleinere Ortschaften.

Zu DDR-Zeiten wurden solche Hallen sehr unterschiedlich genutzt. Besonders bekannt waren sie als Konsum- oder HO-Verkaufsstellen, weshalb sich der Begriff „Ziehharmonika-Kaufhalle“ eingebürgert hat. Es gab sie aber auch als Gaststätten, Imbisse, Kantinen, Cafés, Ferienunterkünfte, Aufenthaltsräume, Poststellen, Büros oder Versorgungseinrichtungen.

Gerade an Urlaubsorten und an der Ostseeküste waren solche Hallen praktisch: Sie konnten relativ schnell als Kaufhalle zur Versorgung von Feriengästen und Campingplatzbesuchern errichtet werden und boten auf vergleichsweise kleiner Grundfläche einen erstaunlich großen Innenraum.

Aus heutiger Sicht ist die REH ein interessantes Beispiel für den industriellen Leichtbau der DDR: technisch einfach, materialsparend, mobil und für sehr unterschiedliche Nutzungen einsetzbar.